Rotbäckchen: Samick 335

Das hier ist für eines meiner „Hidden Beauties“: Meine Samick SAN 450, eine lupenreine Kopie einer Gibson ES 335 aus den späten 90ern….

ES 335 von Samick (SAN 450)

Ich hab sie gebraucht erstanden von einem Senior, der das Gitarrespielen aufgegeben hatte. Ein nasskalter Winterabend in einer schwer nikotinverrauchten dunklen Bude, ich trug das Instrument zum Auto und wusch zu Hause erst mal die jahrelang gewachsene Nikotinschicht ab, worauf dieses wunderbare Kirschrot auftauchte.

Nur der Geruch war dann doch schwer erträglich, weswegen ich eine Reihe von Reinigungsmaßnahmen ergriff, von denen nur eine richtig fruchtete: Kaffepulver in Teebeuteln in die Schalllöcher hängen und ein paar Tage Ruhe geben. Der Kaffee ist danach allerdings nicht mehr zu gebrauchen.

Versuch der Gitarrenentgiftung….

Samick? Wer ist das denn?

Einer der größten Insrumentenhersteller der Welt aus Korea. Mit Firmen wie WMI oder YoungChang teilt mein einen Großteil der Instrumentenfertigung weltweit unter sich auf. Wenn Firmen wie Epiphone, Ibanez, …. Gitarren rausbringen, werden die bei Firmen wie Samick gebaut. Und ab und zu haut man dann auch unter eigenem Namen was raus, wie hier zu sehen. Die Gitarre stammt also nicht von obskuren Grünschnäbeln, sondern erfahrenen Produzenten.

Ansonsten aber natürlich ein Design, was keine Innovationen vorstellt, sondern eine reinrassige Kopie einer Gibson ES 335, einer Gitarre aus den späten 50ern, die mit Namen wie Chuck Berry, Albert Lee oder Larry Carlton assoziiert wird.

Hals aus Mahagoni, gute Lackierung (Polyester)

Was gibts zu sagen, nun, da das Instrument nicht mehr nach Katzenklo riecht?

Schöne Kopfplatte

Relativ aufwendig gebaut (Artis Series) mit eingefassten F-Löchern und Griffbrett, will der Hersteller scheinbar zeigen, daß man es drauf hat. Ich liebe dieses Kirschrot, es lässt die Mahagonikonstruktion richtig gut hervortreten, die Maserung im Hals ist wunderbar und auch die Hardware ist ordentlich, kommt aber ingesamt auch auf fast 4 Kilo.
Die Mechaniken laufen satt und halten gut,
Brücke/Stop-Tailpiece aus massivem Messing (verchromt)
Auch die Pickups, sonst bei asiatischen Gitarren gerne mal getauscht, sind in meinen Ohren mehr als passabel und transponieren genau den souveränen PAF-Ton, den man mit diesem Gitarrentyp assoziiert

Gebaut 98 (?) in Korea

Sonst tausche ich Pickups schon mal gerne, aber ich hatte ein paar Jahre lang eine 335 von Hoyer mit heissen DiMarzios drin, die fand ich anfangs seeehr geil, aber nachher ist mir aufgefallen, daß die „Seele“ der Gitarre dadruch korrumpiert war.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Samick6-598x1024.jpg
Sichtbare neue Verkabelung

Der Pickupschalter lief nicht mehr ganz sauber, vielleicht auch wegen dem Nikotin-schleier auf den Kontakten, den habe ich getauscht, und weil ich grad einen Lauf hatte, auch noch alle 4 Potis mit Verkabe-lung. Das war ein ganz schönes Gefummel durch die engen F-Löcher, aber jetzt kann ich die Lautstärke ohne Muffeln runterregeln und ich meine auch der Ton insgesamt wäre stabiler.

Fazit:

Die SAN 450 hat alles, was eine gute 335 braucht, geht gebraucht für ganz schmale Mark über den Tisch und ist für mich ein „Keeper“. Sie reagiert grade im angezerrten Bereich so dynamisch auf Anschlagsstärke und Phrasierung, daß es großenSpaß macht, darauf zu spielen und ich mit meinen Fingern der begrenzende Faktor bin, nicht die Gitarre.

Kurz: eine Gitarre mit eigener Substanz, der man sich nähern kann wie einer „Großen“, um ihre Eigenheiten zu entdecken.
Und zum Schluss mal ein Foto live mit Ihr, leider ohne Farbe……

Samick live beim Jazzworkshop

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.